World Wide: Work – “Macht Arbeit glücklich?”
Dienstag, 27. Mai 2014 - Kategorien: ,

World Wide Work

Am Wochenende war ich als Zuschauer  in den Münchener Kammerspielen bei World Wide: Work, einer globalen Diskursreihe des Goethe Instituts, die live per Videoschaltung 8 Weltstädte mit unterschiedlichen Kulturen des Arbeitens verbindet.

In der 4. und letzten Debatte ging es um die Frage “Macht Arbeit glücklich ?”

Auf dem Münchener Podium saßen der New Yorker Schriftsteller und Drehbuchautor Arnon Grünberg, die Informatikerin und Sprecherin des Chaos Computer Clubs Constanze Kurz und die Politologin Geraldine de Bastion.

Sie diskutierten live mit Wissenschaftlern, Philosophen, Künstlern und Volkswirten in Tokio und Madrid.
Ein tolles 3 stündiges Format, das aber aufgrund der Kürze der Zeit natürlich nur ein paar Impulse zum Weiterdenken liefern konnte.

Aber immerhin – was blieb bei mir hängen ?

Vor allem eins: Demut ! Wir sollten in Deutschland demütiger sein, dass es uns international gesehen vergleichsweise gut geht. Natürlich gibt es auch hier eine Menge an schlechtbezahlten Jobs im Niedriglohnsektor, trotzdem  hat immer noch eine relativ  breite Mittelschicht das Privileg, sich überhaupt mit der Frage nach Glück durch Arbeit beschäftigen zu können.
Das ist nicht überall der Fall – auch in Europa nicht.

Karlos Pardo, Kulturmanager aus Madrid brachte es folgendermaßen auf den Punkt:
“Work for most of the people is only a means to survive. Work, where you can express yourself is a luxury. Most spanish artists are working as a waiter for Mc Donalds!”

Wir sollten also nicht vergessen, dass es eben weltweit immer nur eine Minderheit ist, die sich in der Arbeit und durch Arbeit  ausdrücken und selbst verwirklichen kann.

Geraldine de Bastion fragt sich zudem: “If we all do, what we want to do, who does the rest!?”

Also wie wäre es damit, nächste Woche dem Müllmann für seinen Einsatz  einfach mal kurz “Danke” zu sagen ?

Denn  eigentlich sollten wir uns nicht nur fragen:  “Does my work make me happy?”,  sondern auch: “Does my work make others happy ?” Wie sieht es also mit dem gesellschaftlichen Mehrwert von Arbeit aus? Der ist im Falle der Müllabfuhr in höchstem Maße vorhanden, auch wenn der entsprechende “Marktwert” des Müllmanns  dies in keinster Weise widerspiegelt.

Die Zustände im japanischen Niedriglohnsektor reflektiert der zu Beginn in Tokio gezeigte Ausschnitt aus dem Dokumentarfilm “Japan: A Story of Love and Hate” (Japan / UK 2008). Regisseur Sean Mc Allister wirft einen Blick in die raue Arbeitswelt eines japanischen Teilzeit – Postzustellers nördlich von Tokio, die für uns Europäer auch groteske Züge annimmt:

Arnon Grünberg ist in seinem Schlusstatement zum Thema Glück und Arbeit zurückhaltend  und meint:

It`s not about how to create jobs that make us happy, but about preventing jobs that make us suffer. We have to create working environments, that allow us to be humans”

Ein weites Feld…

Nachmittags habe ich dann noch einen Abstecher in den Kunstbau des Lenbachhauses gemacht zur Ausstellung “Playtime” die sich wunderbar mit World Wide: Work ergänzt:

“PLAYTIME knüpt an die in Jacques Tatis gleichnamigem Film geäußerte feinsinnige Kritik der modernen Arbeitswelt an und stellt verschiedene Fragen. Wie setzen sich KünstlerInnen unterschiedlicher Generationen und Hintergründe mit dem Thema Arbeit auseinander ? Was bedeutet künstlerisches Arbeiten heute ? Und inwiefern unterscheidet sich künstlerische Arbeit von anderen Formen der Arbeit ?” ( Austellungstext)

Das Künstlertum hat ja schon längst Vorbildfunktion für die neue Arbeitswelt ( Kreativität ! Flexibilität! Innovation! Projektarbeit! Selbstständigkeit ! Arbeiten mit Leib und Seele usw. usw…) Insofern ist Playtime also eine extrem spannende Ausstellung.

Neben tollen Arbeiten von Tehching Hsieh, Mladen Stilinović, Dieter Roth und Harun Farocki fand ich – wahrscheinlich beeinflusst durch die Diskussion am Vormittag – vor allem Adrian Pacis “Turn on” beeindruckend:
“Turn on” ist ein 3 einhalb minütiger Film in dem man mehrere arbeitslose albanische Arbeiter mit ihren zerfurchten, verlebten Gesichtern auf einer Treppe sitzen sieht. Jeder von Ihnen hält eine Glühbirne in der Hand.

Turn on 3

Nach und nach werfen die Arbeitslosen benzinbetriebene, ohrenbetäubend laute Stromgeneratoren an und bringen ihre Glühlampen zum Leuchten. Damit verweisen Sie auf die nicht genutzte “Energie” ihrer Arbeitskraft…

Mehr zu World Wide: Work auf facebook.

Mehr zu Playtime.

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