“OPUS No. 1″ und die Geschichte der Warteschleife
Donnerstag, 7. Juni 2018 - Kategorien: , , , , ,

Welcher Song ist das wichtigste und einflussreichste Musikstück der Welt ?

Häufig gab es Versuche, diese Frage zu klären:

“Smells like teen spirit” von Nirvana ?
(Die 500 besten Songs)

 

“Somewhere over the rainbow” von Judy Garland ? 
(Songs of the century )

 

oder  “Love will tear us apart” von Joy Division ?
(Die 700 besten Songs aller Zeiten)

 

Ein Lied fehlt in all den ewigen Charts, obwohl es bis zum heutigen Tag von Milliarden Menschen weltweit gehört wurde:

“Opus No. 1″, die meistgespielte Warteschleifenmusik der Welt !

Komponiert wurde sie 1989 von Darick Deel, der das Stück mit seinem Freund Tim Carleton in seiner Freizeit zusammenbastelte. Als Deels Arbeitgeber Cisco nach einer Musikschleife für seine Telefone suchte, sagten die zwei Hobbymusiker nicht Nein und stellten den Song zur Verfügung.

Bis zum heutigen Tag ist “Opus No. 1” auf jeder der weltweit 65 Millionen Cisco – Telefonanlagen vorinstalliert.

Hier erzählt Darrick Deel wie es dazu kam: 

Mehr zum Hintergrund der Story  findet sich auf dem Cisco Blog.

 

Während die erfolgreichste Warteschleifenmusik der Welt zufällig entstand, begann  die Geschichte der Warteschleife 1962  – passend zu ihrem heutigen Image – mit einer Panne:

Eines Tages hatte Alfred Levy, ein Fabrikbesitzer aus Long Island Probleme mit seiner Telefonanlage: Er bemerkte seltsame Musikgeräusche in seiner Leitung. Levy ging der Sache nach und fand heraus, dass durch ein schadhaftes Kabel versehentlich die Musik einer benachbarten Radiostation in sein System “eingespeist” wurde.  Seine Kunden warteten nicht mehr in Stille auf die Vermittlung eines Gesprächs sondern hörten  seltsame Hintergrundmusik.

Der New Yorker erkannte das Potential und sicherte sich  im Jahr 1966 ein Patent für automatische Hotlinemusik

Seitdem ist die Welt um ein schizophrenes Thema reicher:

Zwar bestätigen Befragungen, dass Kunden die musikalische Berieselung in Warteschleifen als Horror, Terror oder gleich den Vorhof zur Hölle empfinden, gleichzeitig zeigen Studien der Wirtschaft, dass “Silent Hold” – das stille, musiklose Warten auf einen Gesprächspartner – der kommerzielle Tod sei. 70 Prozent aller Anrufer, die nicht berieselt werden, legen nach einer Minute auf. Musik, so furchtbar sie sein mag, lenkt ab und reduziert die negativen Aspekte des Wartens:

“When it comes to waiting on the phone, something is better than nothing”

schreibt Tom Vanderbilt in “Your call is important to us”,  seiner kurzen Geschichte der Warteschleife für das amerikanische Magazin Slate.

Die Frage, welche Musik sich am besten für Hotlines eignet, ist eine schwer zu knackende Nuss. Müsste ich mich zwischen dem Original eines Beatles Songs und einer Panflötencoverversion entscheiden, würde ich lieber das Original hören. In einer 1999 durchgeführten Studie wurden Warteschleifen – Probanden, mit dem Beatles – Panflöten Cover verbunden. Sie hielten länger aus, als bei der  Originalversion. Wahrscheinlich, weil die Panflöte den unterirdischen Erwartungen an Warteschleifenmusik am ehesten entspricht. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier.

Nach Ansicht des Hannoveraner Musikwissenschaftlers Reinhard Kopiez ist  entscheidend, dass der musikalische Inhalt einer Warteschleife zum jeweiligen Unternehmen und seinen Produkten passt.

“Ein Zuckerhersteller, der Kunden in der Warteschleife mit “Sugar Sugar Baby” von Peter Kraus begrüßt, oder eine Fluglinie, die die Zeit in der Telefon-Pause mit dem Lied “Fly Away” vertreibt, kämen beim Anrufer gut an.” ( Marie – Anne Winter über die Studie von Reinhard Kopiez) Für ein Bestattungsunternehmen dagegen ist “Happy” von Pharell Williams nicht die ideale Wahl:

“Man muss die Menschen dort abholen, wo sie sind. Wenn jemand sehr aufgeregt ist, hilft keine Entspannungsmusik”.

Deshalb ist es bei Beschwerdehotlines eventuell das Beste, auf musikalische Berieselung komplett zu verzichten, um genervte Kunden nicht zur Weißglut zu bringen. Warteschleifenkolumnist Tom König  ist derselben Meinung:

“Ein erster, wenn auch zaghafter Schritt in die richtige Richtung ist die Warteschleife des Internetunternehmens Domain Factory, in der ich neulich hing. Dort kann der Anrufer wählen, ob er Musik möchte. Ich habe vernehmlich “Nein” in den Hörer gebrüllt, und schon herrschte Schweigen in der Leitung.”

 Warum nicht noch einen Schritt weitergehen und neben der NEIN – Option, eine Jukebox installieren, die es mir ermöglicht, aus verschiedenen Songs einen auszuwählen ?

Via Lukas Zimmer ORF

 

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